Zeitumstellung: Alle Fakten und gesundheitliche Aspekte
Wissenschaft & Forschung

 

Wirkt sich der Wechsel von Sommerzeit auf Winterzeit auf unseren Schlaf aus?

Alle sechs Monate das gleiche Spiel: Die Zeitumstellung wird vorgenommen und es scheint, als würde das Thema auch nach fast 40 Jahren Routine die Gemüter gleichermaßen spalten wie erhitzen. Rigoros wird die Abschaffung der Zeitumstellung gefordert. Doch hätte das wirklich einen Sinn? Warum tun wir uns so schwer mit dem Umstellen der Uhren? Und hat es wirklich Auswirkungen auf unseren Schlaf und/oder unseren Körper, wenn uns eine Stunde „geklaut“ oder „geschenkt“ wird?
Die heute gültige Zeitumstellung wurde offiziell im Jahr 1980 eingeführt und war schon damals Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Entgegen diverser Gerüchte, ist die Frage „Warum gibt es die Zeitumstellung?“ allerdings nicht nur mit einer Begründung beantwortet.

Warum gibt es die Zeitumstellung?

Die häufigste Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ der Sommer- und Winterzeitregelung ist auch die ausschlaggebende. Man versprach sich von der Einführung der Zeitumstellung eine effektivere Nutzung der Tageslichtenergie. Was heute wohl einem Großteil der Bevölkerung verhältnismäßig egal sein dürfte, war Anfang der 80er Jahre – nach dem Trauma der Ölkrise von 1978 – ein wichtiges Thema. Die ersten Überlegungen dazu stellte übrigens bereits Benjamin Franklin Mitte des 18. Jahrhunderts an. Der nächste Grund für die Einführung war die Anpassung an unsere europäischen Nachbarländer, die größtenteils bereits seit den 1920er Jahren das halbjährliche Wechselspiel durchführten.

Wann werden die Uhren umgestellt?

Alle paar Monate stellen wir uns die Frage, wann die Uhren umgestellt werden – und in welche Richtung überhaupt noch einmal? Dabei ist das gar nicht so schwer.                                                                                                                                                                                                                                               Wann wird auf Sommerzeit umgestellt?
Die Umstellung auf die Sommerzeit wird jedes Jahr am letzten Sonntag im Monat März vorgenommen. Dabei werden die Uhren von 2 auf 3 Uhr gestellt.
Wann wird auf Winterzeit umgestellt?
Die Umstellung auf die Winterzeit (auch als „Normalzeit“ bezeichnet), findet jährlich am letzten Sonntag im Oktober statt. Hier werden die Uhren von 3 auf 2 Uhr gestellt.
Und wer sich zwar die jeweils letzten Sonntage in den Monaten März und Oktober merken kann, aber trotzdem immer wieder Schwierigkeiten mit der Richtung hat, kann sich dieser Eselsbrücke behelfen: Im Sommer stellen die Café-Besitzer ihre Stühle VOR den Laden, im Herbst kommen sie ZURÜCK ins Lager.
Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf unseren Schlaf und unseren Körper?
Besonders bei der Umstellung auf Sommerzeit, also wenn uns nach Mundart „eine Stunde geklaut“ wird, ist das Gejammer über die Umstellung im Allgemeinen und deren Sinnhaftigkeit im Besonderen besonders groß. Aber hat die Zeitumstellung wirklich Auswirkungen auf unseren Schlaf? Fehlt unserem Organismus tatsächlich diese eine Stunde? Verwirren wir mit der Uhrumstellung unseren Körper? Oder gehören diese Ängste und Sorgen in die gleiche Kategorie wie das Nicht-Schlafen bei Vollmond (an dem übrigens nur deswegen wirklich etwas dran ist, weil jeder daran glaubt – eine Art Placebo-Effekt).
Schlafen wir in der Sommerzeit weniger?
Die langen Sommernächte bzw. längeren Tageslichtphasen haben durchaus Auswirkungen auf unseren Schlaf. Das liegt aber auch vor allem daran, weil sich der Mensch gern nach der Uhrzeit richtet und nicht nach der eigentlichen Tageszeit. Die Folge: Wir sind im Sommer oftmals länger wach als im Winter. Allerdings darf man die längeren Wachphasen nicht nur der Sommerzeit in die Schuhe schieben. Ein höherer Endorphin- und Vitamin D Spiegel durch das Sonnenlicht und attraktivere gesellschaftliche Freizeitgestaltungsmöglichkeiten sind nur zwei weitere Faktoren, die dafür sorgen, dass wir im Sommer weniger schlafen und länger wach sind.
Ist die Zeitumstellung ungesund?
Die zahlreichen Gegner, die für regelmäßig für die Abschaffung der Zeitumstellung plädieren, argumentieren vor allem mit den gesundheitlichen Aspekten, die der Wechsel von Winter- und Sommerzeit (und umgekehrt) mit sich bringt. So dauere die Anpassung an den neuen Tages- und Schlafrhythmus mindestens mehrere Tage, verringere die Produktivität und sei darüber hinaus gesundheitsschädlich. Studien würden belegen, dass der menschliche Hormonspiegel teilweise bis zu viereinhalb Monate brauche, um sich entsprechend anzupassen. Die Frage, ob diese Schwankungen des Hormonspiegels allerdings tatsächlich negative Auswirkungen auf unseren Körper haben oder sogar Krankheiten fördern könnten, ist aus wissenschaftlicher Sicht allerdings bis heute weder bestätigt noch widerlegt.
Aus Sicht von Ärzten und Psychologen ist die Zeitumstellung besonders für Menschen mit Schlafstörungen und organischen Erkrankungen durchaus als problematisch einzustufen. Zudem soll eine Studie der Forscher Imre Janszky und Rickard Ljung belegen, dass die Umstellung das Herzinfarktrisiko erhöhe. Auch Nebenwirkungen wie Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Gereiztheit in Folge der Zeitumstellung seien keine Seltenheit.

Das sagen Schlafforscher zur Zeitumstellung

Schlafforscher und Ärzte kritisieren die Uhrumstellung seit Jahren scharf und weisen neben den kurzfristigen Risiken wie temporären Schlafstörungen auch auf denkbare langfristige Auswirkungen hin. Ein ständiges Verschieben der inneren Uhr des Menschen sei ihrer Meinung nach eine konkrete Ursache für langfristigen Schlafmangel, der als sehr gefährlich und ungesund eingestuft wird. Laut dem Chronobiologen Till Roenneberg aus München, könne sich der Mensch nie richtig an die Umstellung gewöhnen.

Tipps für die Umstellung auf Sommerzeit

Damit Ihnen die Umstellung auf die Sommerzeit nicht so schwer fällt, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt, die einen sanften Übergang versprechen.

  • Gewöhnen Sie sich bereits einige Tage vor der Umstellung an die neuen „Bettgeh-Zeiten“. Passen Sie die Zeit für das Abendessen und das Zubettgehen jeden Abend um einige Minuten an. Wichtig auch unbedingt für Kinder, die sich mit der Zeitumstellung im Allgemeinen noch schwerer tun als Erwachsene.
  • An den ersten Tagen nach Beginn der Sommerzeit möglichst leichte Mahlzeiten zu sich nehmen und koffeinhaltige Getränke vermeiden.
  • Vor dem Schlafen gehen eine ruhige Atmosphäre schaffen. Also keinen spannenden Thriller gucken, sondern lieber einen seichten Roman lesen.

Bei Einschlafproblemen auf sanfte Hausmittel zurückgreifen wie beispielsweise Melisse, Johanniskraut oder Baldrian in Tee-Form.

Und zu guter Letzt: Kuriose Fakten rund um die Zeitumstellung
In den USA und Kanada wurde die Zeitumstellung ursprünglich nicht auf nationaler Ebene geregelt, sondern regional und lokal. Das Ergebnis war, dass teilweise innerhalb einer Stadt unterschiedliche Zeiten verwendet wurden.
– Einige Länder, so auch Deutschland, führten besonders in Kriegs- oder Nachkriegsjahren die Sommerzeit plötzlich wieder ein. Im Jahr 1947 gab es hierzulange sogar eine „doppelte Sommerzeit“ von zwei Stunden Verschiebung – allerdings nur für sieben Wochen.
– Seit Jahrzehnten ist bewiesen, dass die Uhrumstellung keinen positiven Effekt auf den Energieverbrauch hat. Im Gegenteil ist selbiger in der Sommerzeit teilweise sogar höher.
– Milchkühe benötigen zwei Wochen, um sich auf neue Melkzeiten einzustellen– Für Unternehmen oder Einrichtungen, bei denen in der Nachtschicht gearbeitet wird, werden extra zu den Umstellungszeiten spezielle Dienstpläne aufgestellt, damit gesetzliche Ruhezeiten eingehalten werden können.