Was passiert, wenn wir schlafen?
Wissenschaft & Forschung

 

Neustart für Gehirn und Körper

Ausreichender und gesunder Schlaf ist nicht nur wichtig, sondern sichert sogar unser Überleben. Aber was passiert, wenn wir schlafen? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen von Gehirn und Körper und verraten ihnen, warum erholsamer Schlaf so wichtig ist und wie er unsere kognitiven Fähigkeiten beeinflusst.
Neben Wasser und Nahrung ist Schlaf eines der Grundbedürfnisse unseres Körpers. Während der Mensch zwar nur ungefähr drei Tage ohne Wasser, aber dafür ca. drei Wochen ohne Essen auskommt, kann ein totaler Schlafentzug bereits nach 14 Tagen tödlich sein. Aber warum ist das so? Weshalb ist Schlaf für unseren Körper so wichtig und was passiert, wenn wir schlafen in unserem Hirn und Körper?

Was passiert, wenn wir schlafen?

Unser Körper benötigt Schlaf vor allem, um sich zu erholen. So simpel, so wenig überraschend. Die Erholung und der damit einhergehende „Reset“ des Körpers, erfolgen in verschiedenen Schlafphasen, die sich mehrmals wiederholen. Hierbei werden grundsätzlich zwei Schlafphasen unterschieden: die REM und die NON-REM-Phase. REM steht dabei für Rapid Eye Movement. Damit sind die Phasen gemeint, in denen wir träumen, sich also unsere Augen hinter den geschlossenen Lidern bewegen. Das Gegenteil davon sind die Tiefschlafphasen. Und das ist übrigens auch der Grund, warum wir uns manchmal müder fühlen und schwerer in den Gang kommen, wenn wir wach werden. Wird man aus der Tiefschlafphase gerissen, ist der Körper eigentlich noch im Erholungsmodus und weniger bereit für den Neustart.

Das passiert in den verschiedenen Schlafphasen

Direkt nach dem Einschlafen begeben wir uns in der Regel direkt in die erste Tiefschlafphase. Körper und Gehirn schalten dann in den Energiesparmodus. Im Anschluss daran folgt die erste REM-Phase. So geht es dann immer weiter, bis wir wieder aufwachen. Interessant hierbei: Während die erste Traumphase nur ungefähr zehn Minuten dauert, ist es bei der letzten bis zu einer Stunde. Die REM-Phasen werden mit jedem Intervall länger.

Die Tiefschlafphase – und warum unser Körper trotzdem nicht total abschaltet

Unsere Sinne im Schlaf
Frischgebackene Eltern können sofort bestätigen: Auch in der Tiefschlafphase funktionieren unsere Sinne. Unser Gehirn gibt zwar den Befehl, in den Ruhemodus zu schalten (auch an sich selbst), trotzdem wird unser Alarmsystem in Form unserer Sinne niemals ganz abgeschaltet. Der Grund, warum uns das Geschrei unseres Babys, der Rauchmelder oder ein bellender Hund auch in der NON-REM Phase zuverlässig wecken. Logischerweise ist unser Sinn für das Hören im Schlaf am aktivsten und in der Regel auch der, der uns ungeplant wach werden lässt. Die Aktivität der Sinne scheint aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Daher gibt es Leute, die von Rauchgeruch wach werden und leider auch welche, die bei einem Brand nachts im Schlaf ersticken.
Verantwortlich für die Weiterleitung von akustischen oder sonstigen Reizen ist dabei eine Art körpereigener Filter. Dieser Teil unseres Zwischenhirns heißt Thalamus und wird metaphorisch auch häufig „das Tor zum Bewusstsein“ genannt. Nimmt der Thalamus ungewohnte oder extreme Reize war, leitet er sie weiter, wodurch wir aufwachen. Kurioserweise funktioniert das auch umgekehrt. Fehlen vertraute Reize wie beispielsweise ständiger Verkehrslärm, weil wir in einer ruhigen Berghütte in den Alpen Urlaub machen, schlafen wir unruhiger und wachen häufiger auf.

Das leisten Körper und Hirn während wir schlafen

Aber auch ohne jegliche Reize ist unser Gehirn in der Tiefschlafphase nicht ganz untätig. Es nutzt die Zeit beispielsweise, um unser Langzeitgedächtnis zu bilden und zu füttern. Unser Körper beginnt hingegen damit, Hormone auszuschütten. Während die Stresshormone Sendepause haben, werden Hormone wie Renin ausgeschüttet, das die Nieren steuert. Während wir schlafen, schlägt aber vor allem für sämtliche Wachtumshormone die große Stunde. Sie regenieren unsere Körperzellen und reparieren unser Gewebe. Auch der Knochenaufbau, unser Muskelgewebe und das Immunsystem werden im Schlaf gestärkt.

Die REM-Phase – das passiert mit unserem Körper, wenn wir träumen

In den so genannten REM-Phasen passiert eine Menge. Unsere Atmung wird unregelmäßig, der Blutdruck steigt, Herzfrequenz und Puls schwanken und unsere Augen bewegen sich unter den Lidern. Je nach Intensität des Traumes, fangen wir an zu schwitzen oder uns zu bewegen. In den Traumphasen verarbeiten wir die Geschehnisse des Tages und alles, was uns darüber hinaus beschäftigt. Wer sich morgens an seine Träume erinnert, stellt dabei schnell fest, welche Ereignisse oder Gedanken sich anscheinend ihren Weg ins Unterbewusstsein gebahnt haben. Manchmal hat man sogar den Eindruck, das Hirn hätte selbstständig weitergedacht und Assoziationen geknüpft. Beispiel: Tagsüber kommen Sie zufällig an Ihrer alten Schule vorbei. In der Nacht träumen Sie dann weder von Ihrer Schule, noch von Lehrern oder dem Gebäude. Dafür aber davon, Ihre Schulhofliebe in Ihrem Büro zu treffen.

Fakten rund um das, was passiert, wenn wir schlafen

Im Volksmund (und auch Internet) kursieren eine Menge Mythen und Theorien darüber, was passiert, wenn wir schlafen und was im Schlaf möglich ist. Wir klären auf.

Kann ich im Schlaf lernen?

Jein. Der alte Volksglaube, das Vokabelheft unter dem Kissen würde uns den nächsten Test bestehen lassen, ist Humbug. Aber: In der NON-REM Phase werden Erlebnisse und Erlerntes in unser Langzeitgedächtnis übertragen. Wer also nach dem Lernen gut und ausreichend schläft, kann leichter auf sein Wissen zurückgreifen.

Ist Schlaf die beste Medizin?

Ob es die beste Medizin ist, hängt wohl stark von der Erkrankung ab. Aber generell: Ja. Im Schlaf bildet unser Körper Abwehrzellen zur Bekämpfung von Infekten und Viren. Das ist auch der Grund, warum wir beispielsweise während einer Erkältung müder und schlapper sind. Unser Körper verlangt nach Schlaf, um seine Verteidigung vorbereiten zu können.

Kann man im Schlaf abnehmen?

Auch wenn es einige enttäuschen wird: Grundsätzlich nimmt man durch gesunde Ernährung und Sport ab. Wer übergewichtig ist, nichts an seinem Essverhalten ändern und keinen Sport treibt, kann so lange schlafen wie Dornrößchen und wird kein Gramm abnehmen. Aber: Wenn wir schlafen, stabilisiert unser Körper seinen Fetthaushalt und kümmert sich um bestimmte Verdauungsvorgänge. Und: Leptin, ein Hormon, das für unser Sättigungsgefühl zuständig ist, wird bei Schlafmangel weniger produziert. Das kann dazu führen, dass Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, mehr essen.