Lernen im Schlaf ist kein Mythos

Lernen im Schlaf. Welcher Schüler oder Student träumt nicht davon? Nie wieder für eine Prüfung pauken. Einfach Licht aus, Player an und… einschlafen. Und alles, was man im Schlaf vorgelesen bekommt, geht sozusagen in die eigene Wissensdatenbank über. Wenn das ginge, wären wir heute vermutlich alle Einsteins.
Dass es jedoch einen Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Schlaf gibt, ist unbestritten.

Nicht nur Babys lernen im Schlaf

Warum schlafen Babys eigentlich so viel? Weil ihr Gehirn im Schlaf alles verarbeitet, was sie im Wachzustand erlebt haben. Bei Babys ist das eine Menge, da einfach alles neu für sie ist. Sie eignen sich im Schlaf also Wissen an. Diese Weisheit ist nun wirklich ein alter Hut. Und sie gilt für uns Erwachsene genau wie für Babys. Auch wir lernen im Schlaf.

Wie funktioniert das Lernen im Schlaf?

Während der Rest unseres Körpers schläft, arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren. Alle Informationen, die es während des Tages im Hippocampus, im Kurzzeitgedächtnis, angesammelt hat, werden nun sortiert. Das ist erforderlich, weil der Hippocampus neue Informationen nur in begrenztem Umfang speichern kann.
Unwichtige Informationen werden gelöscht, indem die entsprechenden Verbindungen zwischen den Nervenzellen gelöst werden. Wichtige Informationen aus dem Hippocampus hingegen, beispielsweise Informationen, die wir schon mehrmals erhalten haben, werden im Neocortex, im Langzeitgedächtnis, gespeichert – und dadurch in Wissen umgewandelt. Dieser Vorgang wird in der Wissenschaft als Gedächtniskonsolidierung bezeichnet. Beim Verarbeiten der Informationen werden diese sozusagen noch einmal gelernt. So werden bestehende Verbindungen zwischen den Nervenzellen, den Synapsen, gefestigt.

Tiefschlaf – das Geheimnis des Lernerfolgs

Diese „Gehirnwäsche“ findet im Tiefschlaf statt. Unser Lernerfolg hängt also von der Länge und Tiefe unseres Schlafs ab. Denn: je länger wir schlafen, desto mehr Tiefschlafphasen durchschlafen wir. Nur wenn wir so lange schlafen, dass der Hippocampus sämtliche Informationen von seiner Festplatte löschen kann, ist uns die Speicherung dieser Informationen in unserem Gehirn sicher. Ansonsten kann es passieren, dass die Informationen am nächsten Tag überschrieben werden oder nicht alle neuen Informationen des aktuellen Tages aufgenommen werden können.

Durch Vorlesen im Schlaf lernen: Geht das?

Schlaf ist also die Grundlage des Lernens. Nur wer ausreichend und tief genug schläft, kann Informationen erfolgreich in Wissen umwandeln. Wie wir nun wissen, reicht es jedoch nicht aus, sich ein Buch unter das Kopfkissen zu legen oder sich im Schlaf etwas vorlesen zu lassen. Denn entgegen aller Hoffnungen kann nur das gelernt werden, was wir uns tagsüber ohnehin aneignen wollten. Informationen, die uns nur im Schlaf erreichen, gehen nicht direkt in das Langzeitgedächtnis über. Lässt man sich jedoch etwas vorlesen, das man tagsüber bereits gelernt hat, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen im Langzeitgedächtnis verankert werden.

Tipps für einen tiefen Schlaf

Nun, da wir wissen, wie wichtig, guter und vor allem tiefer Schlaf für unseren Lernerfolg ist, stellt sich nur noch eine Frage: Wie schaffen wir es, tief zu schlafen? Der Traum eines jeden ist es doch, sich ins Bett zu legen und sofort einzuschlafen. Leider ist nicht jeder Mensch mit dieser Gabe gesegnet. Häufig gibt es einfach zu viele Dinge in unserem Leben, die uns nachts wach halten und grübeln lassen.
Das Einschlafen kann durch gleichbleibende Einschlafrituale erleichtert werden. Der Mensch ist und bleibt einfach ein Gewohnheitstier. Eine warme, gedimmte Beleuchtung kann uns auf den bevorstehenden Schlaf einstimmen. Fernseher und Computer sind übrigens keine Hilfe beim Einschlafen. Im Gegenteil. Ihr kaltes Licht wirkt eher stimulierend als beruhigend. Weitere Tipps finden Sie in unserem Artikel „Mit diesen Einschlaftipps direkt ins Land der Träume.“