Einschlafrituale – so verbessern Sie den Ins-Bett-geh-Prozess für Ihr Kind

Einschlafrituale können für Kinder ein wichtiger Anker sein. Sie helfen ihnen dabei, sich an der Zeit zu orientieren, vermitteln Geborgenheit und machen deutlich: jetzt ist es Zeit, ins Bett zu gehen und zu schlafen.
Die Routinen werden von vielen Kindern als schönster Programmpunkt des Tages wahrgenommen. Kein Wunder, schließlich gibt es zum Abschluss noch einmal die volle Dosis Zuwendung und Nähe. Wir haben die besten Einschlafrituale für Babys und Kinder zusammengestellt.

Warum helfen Einschlafrituale?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, hat es noch überhaupt keinen eigenen Schlafrhythmus. Wie auch, schließlich ist es in Mamas Bauch zu jeder Zeit dunkel und auch die Geräuschkulisse des mütterlichen Körpers (Herzschlag, Verdauung, Blutzirkulation) nahezu immer gleich. Hat das Baby dann irgendwann seinen eigenen Rhythmus gefunden, atmen zunächst viele Eltern auf.

Nur leider nicht besonders lange. Gerade im Kleinkind-Alter lernt und verarbeitet das Kind abends all die Ereignisse des Tages. Je nach Trubel drum herum, kommt es schlecht zur Ruhe und benötigt gefühlt eine Ewigkeit zum Einschlafen. Zudem nutzen Kinder gern die Abendstunden abseits von Kita und Arbeit dazu, so viel Zeit wie möglich mit ihren Eltern zu verbringen. Das ist an sich sehr schön, nur leider scheinen sie dabei häufig ihren eigenen „Punkt“ zu verpassen. Spezielle Einschlafrituale können helfen, dieses Problem zu minimieren.

Für Eltern und Kinder ergeben sich folgende Vorteile:

Sicherheit & Geborgenheit – gleichbleibende Rituale und Routinen geben den Kleinen ein Gefühl der Sicherheit. Es kann sogar sein, dass sie dadurch auch in anderen, fremden Situationen weniger Angst oder Unruhe zeigen.
Zuwendung & Bindung – das gemeinsame Abschließen des Tages stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind
Schnelleres Einschlafen – mit Abschluss des Einschlafrituals weiß das Kind: jetzt wird geschlafen. Die Zeit zum Spielen, Erzählen oder Kekse essen ist vorbei. Hat das Kind dies richtig verinnerlicht, sollte es wesentlich schneller einschlafen

Voraussetzungen, damit die Einschlafrituale auch funktionieren

Einschlafrituale sind nur dann besonders erfolgreich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wichtig: Schaffen Sie eine ruhige und auch gern gemütliche Atmosphäre. Flutlicht ist ebenso zu vermeiden wie laute Musik oder gar der Fernseher. Sowieso haben elektronische Geräte in Kindeshand nichts verloren, wenn es Richtung Abend geht. Die lauten Geräusche und schnellen bunten Bilder können das Kind viel zu stark aufwühlen. Die Folge: es schläft schlecht ein und/oder nicht durch.
Achten Sie zudem darauf, dass Ihr Kind wirklich „bettfertig“ ist, bevor Sie mit dem Ritual beginnen. Viele Kleinkinder haben irgendwann den Bogen heraus und versuchen naturgemäß, das ins Bett gehen herauszuzögern. Vermeiden Sie Störungen oder Verzögerungen, indem Sie erst mit der Einschlafroutine beginnen, wenn das Kind den Schlafanzug trägt, die Zähne geputzt hat, noch einmal auf der Toilette war und ein Schluck Wasser bereit steht.

Einschlafritual 1: Drei Fragen an Mama / Papa
Gerade Kleinkinder ab 2,5 Jahren haben eine ganz besondere Lieblingsfrage: „Warum?“ Gerne ergänzt um wichtige Inhalte wie „… ist Wasser nass“, „… der Mond hell?“ oder „Gemüse eklig.“ Das folgende Abendritual macht sich den Wissendurst der Kleinen zunutze. Jeden Abend dürfen Sie drei Fragen an Mama und/oder Papa stellen. Dabei muss es nicht gleich immer um naturwissenschaftliche Phänomene gehen. Auch Fragen wie „Hattest du ein Lieblingskuscheltier, als du noch ein Kind warst?“ oder „Was hast du am liebsten gespielt, als du klein warst?“ sind denkbar. Helfen Sie Ihrem Kind ruhig ein bisschen auf die Sprünge, wenn ihm anfangs keine „guten“ Fragen einfallen. Mit der Zeit wird ihm bestimmt genug einfallen und es wird sich vielleicht schon tagsüber seine Fragen überlegen. Sie selbst bestimmen dann durch die Länge der Antwort, wie ausufernd das Ritual wird. Bei besonders erklärungsbedürftigen Themen reduzieren Sie einfach die erlaubte Fragen-Anzahl in Absprache mit dem Kind.

Einschlafritual 2: Nicht ohne mein Kuscheltier
Kinder, die regelmäßig Theater machen, sobald es ins Bett gehen soll, können Sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Schnappen Sie sich dazu das liebste Kuscheltier ihres Kindes und tun sie so, als würde das sich vehement weigern, ins Bett zu gehen. Ihr Kind schicken Sie auf eine Mission: seine Aufgabe ist es, das Kuscheltier zu allen vermeintlich lästigen Aufgaben zu bewegen. Zähne putzen, Pippi machen usw. Der Trick: ihr Kind soll dem Tier vormachen, wie die einzelnen Schritte durchgeführt werden müssen und als Mentor fungieren. Zum Schluss singen Sie dem Kuscheltier gemeinsam mit Ihrem Kind ein Schlaflied.

Einschlafritual 3: Die neue Geschichte
Lesen Sie Ihrem Kind jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Das Besondere: Ihr Kind darf vorab bestimmen, wie die Hauptfiguren heißen und auch Details (z. B. die Farbe der Kleidung, den Ort des Geschehens) usw. mitgestalten. Sie müssen beim Vorlesen lediglich aufpassen, die „neuen“ Namen und Details zu verwenden. Sollten Sie patzen, darf Ihr Kind Sie darauf hinweisen und „tadeln“.

Einschlafritual 4: Das Nachtlicht
Schalten Sie jeden Abend gemeinsam mit Ihrem Kind ein kleines Nachtlicht ein, bevor Sie ebenfalls zusammen „das große Licht“ ausmachen. Anschließend wird ein Schlaflied gesungen und gute Nacht gewünscht. Alternativ: zünden Sie gemeinsam eine kleine Gute-Nacht-Laterne an. Diese nur bitte nach Singen des Liedes und vor Verlassen des Zimmers wieder löschen.

Einschlafritual 5: Sachen suchen
Abend für Abend geben Sie vor, keinen Schimmer vom Aufenthaltsort der wichtigsten Schlafutensilien zu haben. Sie wissen nicht, wo Schlafanzug, Kuscheltier, Zahnbürste oder Trinkflasche sind. Dabei suchen Sie an den unmöglichsten Orten – natürlich nur nicht dort, wo die Sachen immer liegen und stehen. Ihr Kind wird sich den Triumph nicht nehmen lassen, alle Sachen zusammenzutragen und Ihnen zu präsentieren. Beachten Sie bitte nur: es ist kein zusätzliches Verstecken nötig. Das könnte das Einschlafritual in die Länge ziehen und das Kind zu sehr aufdrehen (zum Beispiel, wenn es sein Kuscheltier nicht findet). Dadurch hätten Sie exakt das Gegenteil von dem erreicht, was Sie erreichen wollen.